Mit AdBlue ins Wallis – Junger Chauffeur Lukas Kälin (23)

Serie «Junge Chauffeure» Ausgabe-02-2026

Lukas Kälin beliefert mit dem Tankfahrzeug zahlreiche Kunden. Hier ist er in Brig (VS) bei der Postgarage und überwacht die Literanzeige beim Tankvorgang.

Als Chauffeur ist man ziemlich selbstständig. Das schätzt auch der junge Chauffeur Lukas Kälin, der bei der Thommen-Furler AG Tankwagen fährt. Je nach Ladung ist die Verantwortung bezüglich Sicherheit besonders gross. Wir haben ihn bei einer Tour mit AdBlue begleitet; kein gefährlicher Stoff, dafür umso wirkungsvoller.

Rüti bei Büren im Kanton Bern, kurz vor fünf Uhr morgens. Auf dem Areal der Firma Thommen-Furler AG ist schon einiges los. Am Vortag beladene Tankwagen stehen bereit. Einer davon ist jener von Lukas Kälin. Der 23-Jährige fährt heute einen Stoff zu den Kunden, der Dieselmotoren sauberer macht: AdBlue. Nach dem Rundgang für die Abfahrtskontrolle fährt er los. «Wir haben 25 t AdBlue geladen», sagt er. «AdBlue ist etwas schwerer als Wasser, wir haben also rund 20 000 Liter dabei.» Sie verteilen sich auf zwei Kammern.

Gerne früh unterwegs

Auf der Strasse ist noch nicht viel los. «Ich geniesse es, wenn ich schon vor der Rushhour unterwegs bin», sagt Lukas Kälin. Auch wenn das Verkehrsaufkommen mittlerweile schon früh grösser wird, ist es noch angenehm am Steuer. Vorsicht ist natürlich immer geboten, besonders an diesem Morgen. Im Kanton Freiburg, wo sich das erste Ziel dieser Tour befindet, beginnt es, grosse Flocken zu schneien. Die ersten Räum- und Streufahrzeuge sind bereits unterwegs. Gleich zwei AdBlue-Tanks füllt er in Bulle auf. Einer befindet sich bei einer Tankstelle mit Shop. «Ich hoffe, dass es noch nicht zu viele Autos hat, damit ich den Lastwagen gut platzieren kann», sagt Lukas Kälin. Der Tank befindet sich nämlich bei den Zapfsäulen, und es sind jeweils einige, die vor der Arbeit noch tanken oder im Shop einen Kaffee oder ein Gipfeli holen wollen. Je nachdem, wie das Areal gestaltet ist, hat das lange Gefährt etwas besser oder eben weniger gut Platz. In Bulle gibt es aber keine Probleme: Bei der öffentlichen Tankstelle hat es wenige Autos, und die zweite ist auf einem Firmenareal, auf dem es noch ruhig ist. Das Befüllen dauert jeweils nur wenige Minuten, in der Regel sind es zwischen 2000 und 3000 Liter, die er loswird. Dass ein Tank wieder gefüllt werden muss, erfährt er unter anderem durch das Optitank-System von Thommen-Furler. Das Unternehmen sieht damit die Füllstände aus der Ferne, das System zeigt an, wenn Nachschub erforderlich wird.

Schnupperlehre gab den Ausschlag

Nach Bulle geht es weiter auf der Autobahn Richtung Süden. Der Lac Léman liegt noch im Dunkeln, doch noch bevor das Unterwallis erreicht ist, bricht der Tag an. Und: Der Schneefall hat längst aufgehört, sogar die Sonne zeigt sich. «Es ist ohnehin eine schöne Tour», sagt Lukas Kälin und lässt keinen Zweifel daran, dass ihm sein Beruf, der ihn durch verschiedene Gegenden und Landschaften führt, gefällt.

Dass er diesen Beruf gelernt hat, kam nicht von ungefähr. «Mein Vater war Lastwagenfahrer im Militär, zudem war er regelmässig als Aushilfsfahrer für Senn Transport in Seewen (SZ) unterwegs», sagt Lukas Kälin, der zwar Berndeutsch spricht, aber in Einsiedeln im Kanton Schwyz aufgewachsen ist. Er habe zwar einige Schnupperlehren gemacht, aber bei jener als Strassentransportfachmann habe es ihm gleich den Ärmel reingezogen. Die Lehre machte er schliesslich bei Krummen Kerzers. «Ich konnte bei meinen Grosseltern in Murten wohnen und hatte deshalb keinen langen Arbeitsweg», erzählt er. Und: Er ist danach nicht mehr in die Zentralschweiz zurückgekehrt, wohnt heute in Leuzigen im Berner Seeland. «Das Berndeutsch ist ziemlich schnell gekommen», erinnert er sich. Nur im Kreise von Leuten aus dem Kanton Schwyz spreche er jeweils automatisch wieder den alten Dialekt.

Nur der Auflieger wechselt

Inzwischen hat er abermals etliche Liter AdBlue in Tanks gefüllt, bei Tankstellen und Transportunternehmen in Conthey, Sembrancher oder Sierre. So ist das Unterwallis bald bedient, und es geht Richtung Brig. Zugmaschine, sagt Lukas Kälin, habe er immer dieselbe. «Ich wechsle nur jeweils den Auflieger», erklärt er. Dann nämlich, wenn er nicht AdBlue, sondern andere Stoffe transportiert. Dazu gehören diverse Chemikalien, verschiedene Säuren beispielsweise oder Ammoniakwasser. Nicht nur die Stoffe sind vielfältig, auch deren Abnehmer. So fährt er stets unterschiedliche Touren in der ganzen Schweiz. Für den Transport von Gefahrgut braucht es natürlich eine gründliche SDR/ADR-Ausbildung, für Lukas Kälins Aufgaben auch die Zusatzausbildung für Tankfahrzeuge. Zudem müssen die richtigen Warntafeln, Feuerlöscher, Schutzausrüstung und einiges mehr mitfahren. «Die Verantwortung ist schon nochmals etwas höher, als wenn man normale Güter transportiert», sagt Lukas Kälin. Er wünsche sich, dass dies auch andere Verkehrsteilnehmer wahrnehmen würden. Dabei geht es nicht nur darum, dass Leute keine Geduld haben, wenn er an einer Tankstelle eine Säule blockieren muss. «Man sieht manchmal haarsträubende Manöver von Autofahrern, zum Beispiel kurz vor dem Lastwagen schnell reindrängeln», sagt er. «Die machen sich keine Gedanken, was geschehen könnte. Nicht einmal die Warntafeln lösen bei denen etwas aus.» Dennoch wolle er keinen anderen Beruf. «Für mich stimmt es so, ich bin gerne Chauffeur», sagt er. Auch wegen der gewissen Selbstständigkeit, die man als Chauffeur habe.

Nachdem er auch noch AdBlue für die Postautos in Brig und eine weitere öffentliche Tankstelle beliefert hat, geht es zurück ins Seeland. Vor Feierabend betankt er noch seinen Actros mit Diesel – und den Tankwagen mit AdBlue.

Text und Fotos: Daniel von Känel

 

AdBlue

AdBlue ist eine farblose, ungiftige, 32,5-prozentige synthetische Harnstofflösung in demineralisiertem Wasser, die bei Dieselfahrzeugen zur Reduzierung von Stickoxiden eingesetzt wird. Sie wird in den Abgasstrang eingespritzt, wandelt dann im Katalysator schädliche Stickoxide in Stickstoff und Wasserdampf um und senkt damit den Ausstoss um bis zu 90%. Die Umweltbilanz der Dieselmotoren konnte mit der Einführung von AdBlue wesentlich verbessert werden.

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Der Arbeitgeber

Die Thommen-Furler AG in Rüti bei Büren (BE) ist auf die Distribution von Chemikalien-, Spezialitäten- und Schmierstoffen, Umwelttechnik sowie Entsorgung und Recycling von Industrie- und Sonderabfällen spezialisiert. Rund 14 000 Kunden in der ganzen Schweiz profitieren davon.

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Der Chauffeur

Lukas Kälin (23) ist in Einsiedeln (SZ) aufgewachsen und wohnt in Leuzigen (BE). Er lernte Strassentransportfachmann bei Krummen Kerzers und arbeitet heute bei Thommen-Furler. In der Freizeit restauriert und fährt er unter anderem Mofas und ist begeisterter Schütze.

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