IToY 1977 – Seddon Atkinson 200
Der Lastwagen, mit dem alles begann. Zusätzlich zur schweren 400-Serie fürs 28-Tonnen-Segment lancierte der britische Lkw-Hersteller Seddon Atkinson Anfang 1976 die leichtere 200-Serie, von der Pat Kennett, Chefredaktor von «Truck Magazine», so begeistert war, dass er das Fahrzeug auszeichnen wollte. Die Idee des «Truck of the Year» war geboren und die Auszeichnung wurde Anfang 1977 erstmals an einen Hersteller übergeben. Der Seddon Atkinson 200 wurde einzig als 16-Tonner angeboten und zeichnete sich durch eine komfortable und aus früheren Modellen stark weiterentwickelten Kabine aus. Der Motor, ein 6,8 Liter grosser Sechszylinder (International D 358), kämpfte mit Leistungs- und Zuverlässigkeitsproblemen, der Saugdiesel bot jedoch mit 134 HP (Horse Power) grundsätzlich genügend Leistung, und das Fahrzeug war am Markt in England beliebt.
Richard Stanier
IToY 1978 – MAN 16.280
Für die zweite Auszeichnung holte sich Pat Kennett europäische Unterstützung in Form von Experten aus Holland, Dänemark und zwei aus Deutschland. Damals waren diese Länder für 70 % der Strassentransporte im europäischen Wirtschaftsraum verantwortlich. Mit dem MAN 16.280 wurde zwar ein Fahrzeug ausgezeichnet, das seine Wurzeln im Jahr 1974 hatte, aber mit diversen Neuentwicklungen die vergrösserte Jury überzeugte. Der bisherige 11,4-Liter-Reihensechszylinder wurde vom Saug- zum Turbodiesel weiterentwickelt (280 PS). Für eine bessere Verkehrsübersicht hatte MAN das Armaturenbrett des 16.280 neu gezeichnet, den Rest der von Saviem bereits über ein Jahrzehnt vorher entwickelten Kabine aber praktisch unverändert belassen.
Richard Stanier
ITOY 1979 – Volvo F7
Für die Auszeichnung 1979 wurde die Jury um Vertreter aus Belgien, Norwegen und Schweden erweitert und bestand nun aus sieben nordeuropäischen Staaten. Zugleich wurden die Bewertungskriterien ausgebaut. Mit dem Gewinner, dem F7, hatte Volvo die Gesamterneuerung seiner Fahrzeugpalette abgeschlossen, die fünf Jahre davor mit den Langhauber-Lastwagen der N-Serie gestartet war. Beim Volvo F7 zeichnete die Jury erstmals auch nicht ein spezifisches Modell aus, sondern die ganze Modellreihe. Diese umfasste Zugmaschinen und für Chassis-Versionen diverse Achskonfigurationen, deckte 16 bis 36 Tonnen ab, war aber mit lediglich zwei Kabinen-, zwei Motoren- und zwei Getriebe-Optionen erhältlich. Beim F7 nutzte Volvo bereits bewährte Komponenten, um sie für die neuen Modelle weiterzuentwickeln. Dabei wendete Volvo diese Taktik sowohl bei Antriebsstrang als auch bei Kabine und Chassis an. Das Fahrerhaus war übrigens eine sogenannte «Club of Four»-Kabine, bei der sich Volvo mit DAF, Saviem und Magirus-Deutz für eine gemeinsame Kabinenentwicklung zusammengeschlossen hatte.
Richard Stanier
ITOY 1980 – MAN 321
Nur zwei Jahre nach dem Gewinn der ersten IToY-Auszeichnung punktete MAN 1980 erneut. Der MAN 321 war grundsätzlich vergleichbar mit dem ersten Gewinner, überzeugte aber die Jury mit einem neuen Motor (D2566MK). Er verfügt unter anderem über einen Intercooler, welcher die Ladeluft auf 50 °C abkühlte. Dazu kam ein neues Luftansaugsystem, mit welchem bei niedrigen Drehzahlen dem Zylinder mehr Luft zugeführt werden konnte. Damit überwand MAN das allgemeine Problem des sogenannten Turbolochs und der geringen Drehmomentabgabe im niedrigen Drehzahlbereich, was von vielen Seiten grosse Anerkennung und Applaus einbrachte. Zudem bot der neue 11,4-Liter-Reihensechszylinder bis zu 320 PS Leistung, was mit Blick auf den früheren MAN-10-Zylinder mit 16 Litern Hubraum und 330 PS (D2530) einen deutlichen Fortschritt darstellte. Die Kabine war leicht höher als bisher, bot eine neue Liege, war hochwertiger ausgekleidet, verfügte über einen pneumatisch gefederten Fahrersitz und über einen vereinfachten Mechanismus zum Kippen der Kabine.
Richard Stanier
ITOY 1981 – Leyland T45
Mit dem Leyland T45 konnte ein zweites Mal ein Hersteller aus England punkten. War beim Seddon Atkinson Pat Kennett der alleinige Juror, waren es fünf Jahre später Experten aus zehn westeuropäischen Ländern. Als besondere Stärke wurde beim T45 die Kombination gelobt aus neuem Kabinendesign, guter Effizienz bei ersten Flotteneinsätzen, hoher Servicefreundlichkeit, Zuverlässigkeit und guter Balance von relevanten mechanischen Komponenten. Dabei war die Kabine bemerkenswert aerodynamisch, und Leyland reklamierte einen um 30 % niedrigeren Luftwiderstand gegenüber vergleichbaren Trucks vom europäischen Festland. Zugleich überzeugte die modulare Konstruktion, welche es erlaubte, die Kabine in drei Höhen, zwei Breiten und drei Längen zu produzieren. Trotz des Erfolgs des T45 blieb Leyland nicht gefeit vom allgemeinen Niedergang der britischen Autoindustrie. 1987 fusionierten Leyland und DAF zu Leyland DAF, heute sind beide Teil von Paccar.
Richard Stanier
IToY International Truck of the Year
Die IToY-Jury ist eine internationale Organisation, welche in 25 Ländern Europas vertreten ist. Mitglieder sind Redaktoren und Journalisten der renommiertesten Nutzfahrzeug-Publikationen. In der Schweiz wird IToY durch den «Routiers» vertreten. Angestossen wurde die Auszeichnung, welche jährlich jenen Lkw wählt, der in den Augen der Jury den grössten Beitrag zur Entwicklung des Strassengüterverkehrs leistet, im Jahr 1976 vom Briten Pat Kennett, der als Chefredaktor von «Truck Magazine» amtete. Heute ist IToY weltweit vernetzt, mit wichtigen Lkw-Publikationen in Südafrika, Brasilien, Australien/Neuseeland, China, Indien, USA usw.
truck-of-the-year.com
Martin Schatzmann






