«Die Elektrifizierung ist ein riesiger Prozess», sagt Stefan Leyers, Teamleiter Fahrzeugmanagement bei der Emmi Schweiz AG. Die Herstellerin von Milchprodukten und Frischelogistikerin verfügt über einen Fuhrpark von 85 Lastwagen. 30 Prozent sollen noch in diesem Jahr elektrisch unterwegs sein. «Der Fahrzeugkauf ist der einfachste Teil in diesem Prozess», fügt er an. Der jüngste Kauf ist jener von zehn neuen Mercedes-Benz eActros 600 Sattelzugmaschinen. Mit dem eActros 600 stieg Mercedes-Benz ins Segment der langstreckentauglichen E-Lastwagen ein – und wurde just als «International Truck of the Year 2025» ausgezeichnet. Mit einer Reichweite von bis zu 500 km kann er auch im Fernverkehr den Diesel ersetzen. Drei LFP-Batteriepakete mit 621 kWh Kapazität sind an Bord. Die beiden Elektromotoren sorgen für eine Spitzenleistung von 600 kW, also gut 816 PS. Dank Megawatt Charging System (MCS) ist schnelles Laden möglich.
Aerodynamische ProCabin
Die Fahrzeuge für Emmi sind für den Chauffeur sehr komfortabel und sicher ausgerüstet. Sie verfügen über die aerodynamische ProCabin, und zwar in der Big-Space-Variante. Für gute Sicht sorgen die LED-Matrix-Scheinwerfer sowie das Mirrorcam-System, welches die herkömmlichen Aussenspiegel ersetzt. Im Innenraum sind es ein Soundsystem sowie das Comfort-Package unter anderem mit der Extra-Premium-Comfort-Matratze, die für einen angenehmen Arbeits-, aber auch Ruheplatz sorgen. Safety Package, Active Drive Assist 3, Storage Package und einen Kühlschrank gibt es ebenfalls in den neuen eActros, die von der LUEG AG in Luzern verkauft und vom After-Sales-Partner Brunner Nutzfahrzeuge in Stans ausgeliefert wurden.
Infrastruktur wächst mit
Dass es einen eActros geben werde, davon habe er im Frühling 2023 erfahren, sagt Stefan Leyers. Im Herbst des gleichen Jahres habe man das Fahrzeug zum ersten Mal anschauen können. Etwas später wurde es als Weltpremiere der Öffentlichkeit vorgestellt. Offenbar hat das neue Flaggschiff unter den E-Lastwagen von Mercedes-Benz Eindruck hinterlassen, denn Emmi entschied sich schliesslich zum Kauf von 10 Exemplaren. Der Inbetriebnahme diesen Sommer ging eine grosse Vorarbeit bezüglich Infrastruktur voraus. «Wir waren ab Anfang 2023 mit ersten E-Lkw elektrisch unterwegs», sagt Stefan Leyers. «Doch wenn die Flotte wächst, muss auch die Infrastruktur mitwachsen.» So hat man jetzt nicht nur 10 neue eActros, sondern auch an allen Standorten in Emmen, Suhr und Ostermundigen je acht Ladestationen. Diese mit genügend Strom zu versorgen, ist nicht einfach. Ein Vorteil, den Emmi hatte: Dank der Kühlinfrastruktur gibt es bereits eine Versorgung mit der benötigten Mittelspannung. Dennoch muss der Strom noch mit neuen Leitungen zu den Stationen gebracht sowie die Parkfelder bei den Ladesäulen markiert werden. Und: «Das Lastmanagement wird anspruchsvoller, je mehr E-Fahrzeuge man hat», sagt Leyers.
Im Alltag bewährt
Wichtig ist natürlich, wie sich die neuen eActros im täglichen Geschäft bewähren. «Es klappt sehr gut», hält Stefan Leyers fest. Reichweitenangst gebe es nicht. Man spüre zwar den üblichen Einfluss von tiefen Temperaturen, dennoch reiche es immer. Die Batterien des E-Lkw könne man tiefer entladen als beim PW. Für die Chauffeure bedeute der Wechsel auf E-Fahrzeuge eine Umstellung. Auch routinierte Fahrer, die das Navi nur selten gebraucht hätten, seien jetzt darauf angewiesen. «Das Navi hat man jetzt nicht nur wegen des Wegs, sondern auch wegen der Reichweite», erklärt Leyers. Und: «Man sieht dann auch gleich, wo man zwischenladen könnte, sollte es mit der Reichweite doch einmal zu eng werden.» Das Plus an Komfort wegen des ruhigen Antriebs und die elektrotypische Kraftentwicklung mit dem hervorragenden Drehmoment aus dem Stand loben ohnehin die meisten Chauffeure, die sich schon hinter das Steuer eines E-Lkw gesetzt haben.
Auch wenn es laut Stefan Leyers politisch noch einige Schritte braucht, um Planungssicherheit zu schaffen, wird Emmi die Flotte weiter elektrifizieren. «Die nächsten eActros haben wir bereits bestellt», verrät er. Zusammen mit den bisherigen E-Lastwagen und den H2-Lastwagen seien dann 30 Prozent der Schweizer Emmi-Flotte unter Strom.
Text: Daniel von Känel
Fotos: Daniel von Känel / Emmi



